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Markus Kupferblum

Erfahrungsbericht vom Balanceakt auf der Achse des Bösen

Je länger ich Theater mache, desto unerbittlicher werden die Fragen, die ich mir stelle.

Je mehr Erfahrungen ich sammle, desto mehr misstraue ich meinem Handwerk.

Jede neue Produktion wirft immer neue Fragen über meine Arbeit, ihren Kontext und ihre Sinnhaftigkeit auf.

Wozu und wem dient das Theater? Ist es nicht nur eine Selbstbespiegelung einer bürgerlichen Gesellschaft, die sich für aufgeklärt, intellektuell und progressiv hält? Darf man dazu öffentliche Gelder verwenden? Kann ich mit meiner Arbeit etwas bewirken? Ist es sinnvoll, Kunst zu schaffen? Ist es redlich? Mit welchen Mitteln darf ich arbeiten? Kann ich durch mein Handwerk nicht jede beliebige Situation so herstellen, daß sie unvermeidlich wirkt und so das Publikum dadurch manipuliert?

In Österreich interessiert sich die Regierung - und so auch die Öffentlichkeit - absolut nicht mehr für Kunst. Sie bedauert nur, daß sie so viel Geld kostet. Aber kulturpolitische Diskurse - und auch Einflußnahmen -, wie es sie noch zu Zeiten des kalten Krieges gab, ideologische Positionskämpfe, inhaltliche Auseinandersetzungen – und die vielleicht sogar öffentlich! - gibt es in Österreich längst nicht mehr. In Österreich warten die Künstler (mich eingeschlossen!) lediglich sehnsüchtig auf staatliches Geld, - das noch dazu unverhältnismäßig und ungerecht verteilt wird -, als Existenzgrundlage und als Zeichen der Anerkennung, weil es ihre einzige Überlebenschance ist.

Es gibt Zeiten und Umstände, in denen mir das besonders bewußt wird.

Nämlich dann, wenn ich mich, wie jetzt, weit weg von der europäischen Realität befinde, in einem Kontext, der das Leben gefährlich, unberechenbar und schwierig macht, und wo Theater deshalb eine ganz wichtige, existentielle Rolle in der Gesellschaft spielt - für die, die es machen, und die, die es sehen.

Ich befinde mich zur Zeit in einem Balanceakt auf der Achse des Bösen, wie man das nennen könnte, in einem Wechselbad der Gefühle, meines politischen Gewissens und meines künstlerischen Selbstverständnisses.

Im Augenblick pendle ich zwischen New York und Teheran.

Und hier, in diesem präkeren labilen Zustand, fühle ich mich mit meinem Theater zu Hause. Denn wo Regierungen versuchen, mitunter vehement zu verhindern, daß Künstler bestimmte Empfindungen oder Inhalte öffentlich artikulieren, geht es in der Theaterarbeit zunächst in erster Linie darum, den Menschen Mut zu machen. In diesem Sinne hat das Theater für mich den selben Stellenwert, wie in ihrer ursprünglichen, altgriechischen Bedeutung die „Synagoge“ - als Ort, an dem man zusammenkommt, um einander gegenseitig Mut zu machen. Ich möchte die Menschen bestärken, die manchmal sogar ihr Leben riskieren um Theater zu machen, und ihnen ein Instrumentarium in die Hand geben, mit dem sie ihre Geschichten erzählen können, und die Menschen ermutigen, die sich diese Stücke dann ansehen, und merken, daß sie mit ihren Ängsten und ihrer Ratlosigkeit nicht alleine sind. Es gilt, mit ihnen gemeinsam die wesentlichen Fragen herauszufinden, die für sie relevant sind und die vielleicht ihr Leben verbessern könnten. Antworten gibt es in solchen Situationen nicht.

Kurt Vonnegut sagte einmal, er sei ein Jünger des unheiligen Unordens "Unsere Liebe Frau des nie enden wollenden Erstaunens". Er war einer der ganz wichtigen künstlerischen Seismographen der amerikanischen Gesellschaft, der immer alles, was richtig und was falsch läuft, ganz genau gespürt, und literarisch unerbittlich auf den Punkt gebracht hat. Wir dürfen bestimmte Zustände nicht als „normal“ ansehen, bloß weil die meisten Menschen sich bereits an sie gewöhnt haben. Wir dürfen nicht abstumpfen gegen gesellschaftliche Ungerechtigkeit und wir müssen dorthin gehen, wo wir etwas bewegen können. Seinem „Unorden“ wäre ich am liebsten sofort beigetreten...

So habe ich in Litauen gearbeitet, als es noch "Gefährdungsgebiet" war, in Armenien, der Ukraine, habe in Libanon Barockopern inszeniert, oft in Israel gearbeitet, war in Chile noch unter Pinochet und war gemeinsam mit einigen Wiener SchauspielerInnen meiner Theatergruppe in einem Hochsicherheitsgefängnis in München, als wir dort auf der Straße am 3.10.1990, dem Tag der Deutschen Wiedervereinigung, politisches Theater machten.

So hat sich wohl mein Ruf begründet, daß ich mich offenbar vor nichts fürchte. Das stimmt natürlich nicht. Ganz im Gegenteil.

Ich bin nur der Überzeugung, daß wir Künstler die vornehmste Aufgabe haben, uns für Humanismus, Gerechtigkeit und Freiheit einzusetzen, solange man uns lässt - ganz im Sinne des Vonnegut'schen Unordens.

Aber vom Anfang an:

Zur Zeit inszeniere ich in New York eine "Burlesque-Oper" und dann im November die amerikanische Erstaufführung der Oper "Kaiser von Atlantis - Der Tod dankt ab" von Viktor Ullmann, die er im "Vorzeige-Konzentrationslager" Theresienstadt komponiert hatte. Es ist die Geschichte eines grausamen Diktators und dem Tod, der sich schließlich dem Diktator widersetzt und sich weigert, zu töten. Eine Utopie der Freiheit, geschrieben in der Hölle eines KZ. Ullmann wurde noch vor einer Uraufführung dieses Werkes ermordet. Ein Mithäftling hat die Partitur herausgeschmuggelt und so für die Nachwelt gerettet. Nach dem Krieg wurde das Manuskript entdeckt und später in Deutschland und in Österreich einige Male aufgeführt. George Tabori hat sie in den 80-ger Jahren in der Wiener Kammeroper fulminant inszeniert, später die Gruppe ARBOS aus Klagenfurt ebenfalls mit sehr großem Erfolg. In den USA war sie bislang noch nie zu sehen. Das ist für mich eine wunderschöne und ehrenvolle Aufgabe, die mich besonders freut.

Mitten in der Vorbereitung zu dieser Arbeit, erreichte mich eine neue Anfrage - diesmal aus Teheran - ich fürchte mich ja nicht, hörte ich am Telefon...

Ich sagte zu und das hat mir eine Erfahrung beschert, die ich, das kann ich jetzt schon sagen, zu den inspirierendsten und spannendsten meines Lebens im Theater zähle.

Der Iran ist ein wunderschönes Land mit einer Jahrtausend-alten Kultur, das zur Zeit vollkommen isoliert ist. Die westlichen Botschaften sind fast ausnahmslos geschlossen. Die Sanktionen unterbinden jeden Geldverkehr mit dem Ausland. Der Iran tauscht mit China Öl gegen billige Plastikprodukte, die meisten Waren werden aber vor Ort hergestellt. Kreditkarten werden nicht akzeptiert, da es eben keinen internationalen Geldverkehr gibt. Es gibt eine unfassbare Inflation. Die Geldscheine sind fast wertlos, die höchsten Noten (ca. 25€) sind keine Geldscheine sondern Schecks der Nationalbank.

Auf der Straße fahren weiß-grüne Polizeiautos der Revolutionswächter im Schritttempo und verhaften Mädchen, die geschminkt sind oder deren Haare unter dem obligatorischen Kopftuch herausschauen. Die Revolutionswächter rekrutieren sich aus den bildungsfernen Schichten und kommen meist vom Land. Sie scheinen eine besondere Genugtuung dabei zu empfinden, besonders die gebildeten Schichten in Teheran zu unterdrücken.

Das ist alles sehr, sehr schlimm und erschütternd. Es ist eine Diktatur. Das ist einem in jedem Moment bewußt.

Doch die Iraner sind ein höchst gebildetes und kultiviertes Volk.

Die Leute, die ich getroffen habe, sind wunderbare Menschen. Sie sind gastfreundlich, offenherzig und sprechen meistens mindestens eine Fremdsprache perfekt. Die Frauen sind fast alle trotz des Verbotes geschminkt und tragen die Kopftücher sehr locker, obwohl sie deshalb jederzeit, wie gesagt, verhaftet werden könnten - und es leider oft auch werden! Trotzdem tun sie es, weil sie mutig sind, und weil es ihnen einfach reicht. Sie wünschen sich Normalität und die Freiheit der Wahl. Und alle fürchten sich vor einem Krieg. Seit der brutalen und blutigen Niederschlagung der Demonstrationen vor zwei Jahren, die sich gegen den Wahlbetrug von Ahmadi-Nejad richteten, haben alle Menschen Angst und haben resigniert, dieses Regime jemals wieder loszuwerden.

In diesem Umfeld ist ausgerechnet das Österreichische Kulturforum das einzige westliche Institut, das vom Regime noch toleriert wird. Alle anderen Kulturinstitutionen, wie das Goetheinstitut, die Alliance Française oder das British Council sind längst geschlossen.

Das Kulturforum ist eine Oase der Freiheit. Es herrscht eine Atmosphäre wie auf einem Uni Campus. Von 8h früh bis 23h gibt es ohne Pause Deutsch Unterricht, Instrumentalunterricht und eine eigene Theatergruppe. Da es extraterritorial ist, dürfen sich die Menschen dort frei bewegen. Frauen und Männer dürfen im selben Raum unterrichtet werden und Frauen dürfen den Schleier abnehmen. Frau Mag.a Ulrike Wieländer, die Leiterin des Kulturforums, macht mit ihrem Team unter dem couragierten Schutz des österreichischen Botschafters Dr. Thomas Buchsbaum eine atemberaubende, hervorragende Arbeit. Es ist ein pulsierendes Zentrum der westlichen Kultur.

Ich studiere dort gemeinsam mit dem Wiener Dirigenten Christian Schulz mit iranischen Künstlern die "Zauberflöte" ein, die im Februar 2013 als erste Opernproduktion seit der Revolution 1979 über die Bühne gehen wird. Ich bin gerade dabei, mit den Zensoren der Revolutionswächter die gesamte Partitur zu bearbeiten, damit sie den strengen Vorschriften entspricht. Es dürfen z.B. keine Frauen solo singen, außer es sind im Publikum nur Frauen anwesend. Es darf keine Liebesgeschichten geben. Frauen, die selbstverständlich verschleiert sein müssen, und Männer dürfen einander auf der Bühne nicht berühren. Und noch dazu möchte ich die Zauberflöte im ehemaligen Opernhaus aufführen, das heute nur für politische Veranstaltungen und Folklore Konzerte genutzt wird. Ich habe schon konkrete Ideen, wie ich all diese Vorschriften einhalten kann, ohne die Oper zu verändern. Im Februar wird die Premiere stattfinden und für die teilnehmenden Künstler sicher eine unvergessliche Erfahrung. Das ist gut so und wichtig - und Grund genug, es zu tun. Natürlich wünsche ich mir auch, daß möglichst viele Menschen diese Aufführungsserie sehen können und werden. Klar, wenn wir mit unserer Zauberflöte auch nur einem einzigen Menschen in Teheran Mut machen und einen Funken Hoffnung geben, daß er nicht alleine ist mit seinem Unbehagen über die Intoleranz in seiner Gesellschaft und mit seinem Wunsch nach Normalität und Freiheit, dann haben wir schon etwas erreicht. Es ist nicht viel, wirklich nicht. Aber ein winziger Schritt.... Klingt doch toll und überzeugend!

Und gerade da muß ich meine eigene Haltung genau überprüfen. Ich kann nicht in ein anderes Land reisen mit einem Gestus des Wissenden, der etwas geheimnisvolles Fremdes offenbart, der den einheimischen Künstlern etwas Neues beibringt. Ich darf mir nicht selbst auf die Schulter klopfen, wie wertvoll meine Arbeit doch wohl ist. Ich muß von den Iranern lernen! Ich muß versuchen, die wesentlichen Fragen zu stellen.

Was hat Oper für eine Bedeutung in diesem Land? Und Mozart? Kann sich ein Iraner mit Tamino identifizieren, oder etwa mit Papageno? Haben die iranischen Frauen nicht andere Probleme, als eine Oper zu hören? Ist es für die Iraner überhaupt wichtig, westliche Kultur zu erleben oder gar auszuüben? Wieso machen wir ausgerechnet die Zauberflöte und nicht etwa ein iranisches Werk? Wieso empört es mich so, daß Jazz, Pop, Klassik und Rock Musik verboten sind? Haben wir das Recht, unsere westliche Kunst in ein Land zu exportieren, das selbst so unfassbar reich an Kunst ist? Braucht der Iran westliche Kultur? Ist unsere Kunst etwa besser, als deren Kunst? Wäre es nicht viel wichtiger, daß die Iraner die Möglichkeit hätten, ihre eigene Kultur, die so ungeheuer reich ist und um so viele tausend Jahre älter ist als unsere, lebendig zu halten und weiterzuentwickeln, wie wir das mit unserer tun? Was könnte ich dazu beitragen? Wäre das nicht viel wichtiger?

Diese Fragen haben mich hinausgeführt aus dem Schutz dieser Oase, dem ÖKFT. Über einige Ecken kam ich zu einer Theatergruppe in einem Vorort vor Teheran, die sich regelmäßig im Keller einer Tiefgarage trifft und dort unter großer Gefahr Theater spielt. Frauen und Männer. Gemeinsam. Unverschleiert. Mit Berührungen. Frei und ohne Einschränkungen, wie im Westen. Ihr Leiter ist ein Pantomime, der seine Kunst von einer alten Videokassette gelernt hat. Sie stehen im Kreis, alle im Trainingsanzug, wie in Europa, und machen ihre Aufwärmübungen. Ich war ihr erster Lehrer und habe ihnen die Arbeit mit Neutraler Maske vorgestellt und ihnen die Tricks der Commedia dell'Arte beigebracht, damit sie ihre eigenen Geschichten entwickeln können. Sie waren froh und dankbar, haben das alles förmlich eingesaugt und wollten mich nicht mehr gehen lassen. Sie machten mich zum glücklichsten Menschen der Welt. Das, was ich kann, war plötzlich so ungeheuerlich wichtig für sie, die ihr Leben riskieren, um etwas zu artikulieren, was sie vielleicht retten könnte.

Aber stimmt das auch? Kann Theater die Gesellschaft verändern? Kann es die Iranische Gesellschaft verändern? Können Worte etwas bewirken? Verändert sich der spielende Mensch durch das Spielen - und der andere Mensch, der ihm dabei zusieht? Was bedeutet für diese Schauspielerinnen ein Schleier? Und was bedeutet er für die männlichen Schauspieler? Ist er nur ein Werkzeug zur Unterdrückung oder auch ein Instrument der Erotik? Und was bedeutet ein Trainingsanzug? Was sieht ein Iraner, wenn er eine Frau im Trainingsanzug sieht? Ist es das selbe, was ich sehe? Was bedeutet für sie Theater? Und was bedeutet für sie Politik? Welches Leben wünschen sie sich? Sind westliche Werte überhaupt erstrebenswert? Ist Iran nicht nicht viel zivilisierter als Österreich? Iran oder Persien hat noch nie einen Krieg begonnen. Was mache also ausgerechnet ich als Österreicher dort? Was sind die wesentlichen Fragen?

Es ist für jemanden aus dem Westen nicht leicht, eine Position zu beziehen und sich ein verlässliches Bild zu machen. Während des Schah Regimes gab es eine massive Öffnung zum Westen und dessen Kultur hin. Aber auch damals - trotz der westlichen Kultur - kannte die iranische Gesellschaft weder Toleranz noch die Freiheit der Wahl. Auch das war eine Diktatur und den Damen, die einen Schleier tragen wollten, wurde er auf der Straße brutal vom Kopf gerissen. Es gab eine unfassbare Armut, es gab ganze Städte aus Kartonschachteln – viele Menschen hungerten, während Herbert von Karajan vor der Familie des Schah seine Opern dirigierte, genau dort, wo ich nun die Zauberflöte machen möchte. Geht das überhaupt? Soll das überhaupt gehen? Welches Symbol bediene ich da? Und was sieht eine Iranerin, wenn sie einen tanzenden Mann sieht? Und warum sind es immer die Frauen, anhand derer die jeweilige Diktatur ihre Macht demonstriert?

Von ihnen habe ich zumindest gelernt, worum es für sie geht in der iranischen Gesellschaft, in der persischen Kultur - und ich lerne noch... im September geht unsere Arbeit weiter. Wir fahren in die Kurdengebiete an die Grenze zu Aserbaidschan und spielen dort auf der Straße. Außer es gibt Krieg.

Und dann geht die Reise zurück nach New York, ein Balanceakt auf der Achse des Bösen. "Der Tod dankt ab". Nach meiner Arbeit in Teheran sehe ich die Oper mit völlig anderen Augen. Zu sehr sitzt mir die körperliche Erfahrung der Diktatur noch in den Knochen. Wäre das nicht die richtigere Oper für Teheran? Und New York? Sind die Menschen hier so frei, wie sie es vorgeben? Wo ist die Dringlichkeit für eine Oper in der amerikanischen Gesellschaft? Ist es nicht auch hier eine fremde Kunst, die von einer Minderheit für eine Minderheit gemacht wird? Wozu eine Oper in New York? Hier überstrahlt die gentrifizierte Stadt die Ungeheuerlichkeiten der amerikanischen Politik. Die schrittweise Aufgabe der persönlichen Freiheiten in den letzten zehn Jahren zugunsten eines vermeintlichen Antiterrorkrieges verblasst gegen den Glanz der Schaufenster in der Fußgängerzone am blitzsauberen, renovierten Times Square. Die Armen müssen woanders hin.

Wie erzähle ich hier von einer Utopie der Freiheit, die ein Komponist mit dem Leben bezahlt hat, hier, wo niemand vor irgendetwas Angst haben muß, solange er seine persönlichen Daten und seine Fingerabdrücke immer und überall zur Verfügung stellt? Denn die Angst vor der USA hat man nur im Ausland! Nur dort kennt man Guantanamo, Abu Graib oder Kabul. Denn in New York kennt man den Krieg nur aus dem Fernsehen.

In New York fürchtet man sich vor Teheran und fragt mich bei der Einreise, was ich dort verloren hatte. Und in Teheran fürchtet man sich vor der USA und will wissen, wieso ich in so kurzer Zeit so oft hin- und herfliege.

Beide Welten sind unfrei. Überall Fingerabdrücke und Kontrollen. Überall stundenlange Fragen.

Einmal ist es die Unfreiheit, die Zahnpasta im Handgepäck zu transportieren und einmal die Unfreiheit mit keiner Frau alleine auf der Straße gehen zu dürfen.

Das Theater kann die Welt nicht verändern. Und sie ist nicht perfekt. Bei weitem nicht. Aber trotzdem müssen wir es tun, damit wir etwas ganz Zerbrechliches am Leben erhalten: Die Poesie des Unvollkommenen.

© Markus Kupferblum

erschienen in der Zeitschrift „GIFT“, 2012